Uni-Ruf
Uni-Ruf
Arbeitsweise
Bärbel Schön und Birgit Weiß:
Uni-Ruf - ein besonderes Berufungstraining. In: Jutta Dalhoff (Hrsg.):
Anstoß zum Aufstieg - Karrieretraining für Wissenschaftlerinnen auf dem Prüfstand,
Bielefeld 2006

Textausschnitt

Im Rollenspiel trainieren wir sowohl die Situation des Hearings wie auch die des Kolloquiums. Beides ist komplex und durchdrungen von verschiedenen Kommunikationsebenen. Manchmal erleben Teilnehmerinnen Obskures, das sie dann besser einordnen können.

„Der Vorsitzende der Berufungskommission erwartete mich in seinem Dienstzimmer. Während er mir die Hand gab, schaute er zum Fenster hinaus. Dann entschuldigte er sich und begann auf seinem Schreibtisch zu wühlen und irgendwelche Formulare auszufüllen. Als ein Mitarbeiter hereinkam und an seinen Urlaubsantrag erinnerte, wurde dieser gesucht und schließlich auch gefunden. Ich wurde nicht vorgestellt und stand dort wie bestellt und nicht abgeholt.”

Wir achten darauf, dass die Teilnehmerinnen im Training unterschiedliche Positionen einnehmen. Sie üben sich als Bewerberin, aber auch in der Rolle der Frauenbeauftragten. Sie treten als schusseliger Professor auf, der sich gerne reden hört, oder als Gutachter, der sein Votum über den Bewerber abgibt.

Gerade dieser Rollenwechsel ist wichtig, weil er den Teilnehmerinnen erlaubt, die Situation und sich selber von außen anzuschauen. Dadurch bekommen sie ein besseres Gespür für die Situation. Sie lernen, ruhiger und gelassener zu reagieren. Auch aus Fehlern kann man lernen: Anders als in der Realität des Hearings sind Patzer erlaubt, andere Varianten können ausprobiert werden, Verbesserungen sind zugelassen.

Die Methode des Rollenspiels setzen wir gezielt auch realitätsfern ein. Wir laden die Teilnehmerinnen ein, mit bestimmten Aspekten von Auftreten und Rolle zu „spielen”, indem diese übertrieben, karikiert, vergröbert werden dürfen. Das spielerische Agieren hilft, etwas Neues auszuprobieren und das eigene Handlungspotenzial zu erweitern. Das Lachen wirkt befreiend, Scham und Rückzug werden vermieden.

Durch den mehrfachen Rollenwechsel und das Feedback in der Gruppe werden die Teilnehmerinnen darin unterstützt, sich selbst in konstruktiver Weise weiterzuentwickeln. Sie lernen, selbstbewusster aufzutreten, ihre Stimme und ihren Körperausdruck angemessener einzusetzen, auf vermeintliche Aggressionen gelassener zu reagieren. Sie üben auch, mit durchaus "schwierigen" und manchmal gemeinen Fragen im Kolloquium angemessen umzugehen. Die Wahrnehmung der eigenen Person und die Fremdwahrnehmung sind grundlegende Instrumente in dieser Arbeit.



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